
Kaum gibt es Strafen auf unerwünschte Anrufe á la "Guten Tag, wir rufen im Auftrag der Telekom an und wollen natürlich nichts verkaufen" nehmen diese schlagartig kein Ende. Auf der Suche nach dem Sinn von Umfragen. Auch für WebsiteBaker.
WebsiteBaker, seine Internetseite und ich
Ich habe keine Zeit für meine eigene Seite und kümmere mich stattdessen um andere. Ein kurzer Einblick in die Erwartungen und in die Arbeiten an der Größten.
Jeder kennt sie: Umfragen. Seit der Erfindung des Telefons sind sie beliebt und verteufelt, das Internet hat sich auch jedem anderen vorgeführt. Egal welche Seite man betritt, es springt einem eine Umfrage wie
"Wie gefällt das neue Design ???
Ja / Nein / Vielleicht / Ich rauche nicht"
entgegen. Wenn man sich die Ergebnisse ansieht, sieht man immer, dass es den meisten gefällt.
Nix, das ist ja das Tolle daran, aber es sieht halt gleich besser aus, wenn zwischen dem aktuellen Wetter in Hongkong, der Uhrzeit auf den Fidschi-Inseln und den aktuellsten Neuigkeiten aus bayrischen Klöstern noch ein paar bunte Balken vorhanden sind.
Aber der Reihe nach:

Man muss unterscheiden zwischen einer Umfrage wie oben und einer wirklichen Meinungsumfrage, in wissenschaftlichen Gefilden und denen, die sich dafür halten auch gerne Evaluation oder Survey genannt.
Eine gute Umfrage besteht nicht bloß aus einer einzigen Frage, denn damit kann man wenig anfangen. Es ist zwar schön, wenn man sieht, dass den meisten der 15 Teilnehmern das neue Design gefällt, aber es lassen sich keinerlei Schlüsse daraus ziehen.
Bevor man überhaupt sich um eine Umfrage im Detail Gedanken macht, muss man das Ziel festlegen. Warum mache ich eine Umfrage? Was will ich damit erreichen?
Und diese Fragen müssen wirklich im Detail beantwortet werden, bevor überhaupt alles weitere festgelegt wird.
Wenn man also weiß, was man erreichen will (zum Beispiel im Falle von WebsiteBaker, ob die Leute zufrieden sind mit dem System und den Services wie Webseite, Forum und Hilfe) kann man sich Gedanken machen, wie man die Fragen stellt. Zuerst sollte man allerdings Fragegruppen sich überlegen. Das ist gar nicht so einfach wie man denkt. Es macht wenig Sinn bei solch einer Umfrage zehn Feinheiten zum Design zu stellen, aber gleichzeitig keine über den Inhalt. Also nähert man sich kreisförmig heran. Soll heißen: Je weiter man vordringt, umso detaillierter wird es. Wenn man sich schon am Anfang Gedanken darüber macht, welche Fragen man explizit stellen möchte über die Schnittstelle für Programmierer gibt es hier einen Denkfehler: Denn ich muss ja überhaupt wissen, ob ein Programmierer diese Fragen ausfüllt.
Bevor man also die Fragen im Detail angeht, sollte man sich über die Zielgruppen, die man ansprechen will Gedanken machen. Man denke, bei WebsiteBaker wäre es einfach? Weit gefehlt! Man kann davon ausgehen, dass viele Leute die Umfrage ausfüllen, die von PHP wenig Ahnung haben und noch nie ein Modul programmiert haben - aber nur sehr wenige, die das haben. Also muss man zwingend die Umfrage individualisieren. Also: Jemand der von sich behauptet ein Programmierer zu sein bekommt andere Fragen als jemand, der sagt, er hält PHP für eine neue Investmentbank. Und die gesamte Umfrage muss darauf aufbauen. Durch die Individualisierung bekommt man natürlich nicht unbedingt auf jede Frage genügend Antworten - aber immerhin besser, spezialisierte Antworten als viele, die das Ergebnis vollständig beeinflussen in einer Richtung, die man nicht möchte.
Erst einmal ist die Frage nach der Technik eher unerheblich. Aber man möchte nicht ewig auf Blockzetteln die Antworten schreiben, und natürlich drängt sich die Frage auf, wie man die Leute überhaupt am Besten erreicht.
WebsiteBaker hat zwar viele Module, doch eines, wo man Umfragen befriedigend erstellen kann gibt es nicht, und wird es auch nicht geben. Doch natürlich gibt es dafür genügend Möglichkeiten - von kostenlosen, mit Werbefenstern zugepflasterten über teure Programme bis hin zur GFK. Bei letzterer müsste man halt seinen gerade erworbenen Neuwagen verkaufen, um keinen Kredit aufnehmen zu müssen.
Natürlich sind das alles keine Optionen für WebsiteBaker - und eigentlich auch nicht für den Privatmann - daher bietet sich ein kostenloses Programm an. Meine Wahl ist auf das PHP-Tool LimeSurvey www.limesurvey.org gefallen. Es erschreckt einen erst einmal mit Fakten wie "60 MB Speicherplatz", und mit einem altbackenen Design, das selbst Anhänger von WebsiteBaker 2.6.7 als veraltet bezeichnen werden. Doch die Möglichkeiten sind schier gigantisch damit. Auch die ganzen Individualisierungsorgien sind keinerlei Problem damit, ebenso wenig wie das Erstellen & Zusenden von Tokens für Tausende von Leuten. Tokens kann man mit Tans vergleichen, die aus dem Online-Banking bekannt sind. Jeder Teilnehmer hat einen individuellen Token, und kann damit die Umfrage ausfüllen. So wird sichergestellt, dass nicht zu viele Formularanfragen von derselben Person kommen, und man kann auch ohne Probleme während der Umfrage aussteigen und später weitermachen.
Die tollste Technik darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die eigentliche Schwierigkeit beim Erstellen der Fragen liegt. Umso präziser, umso individueller, umso interessanter, umso erfolgreicher. Man braucht aber viele Antworten - gerade bei WebsiteBaker, ist es nunmehr fast 6 Jahre am Markt, aber eine stichhaltige Umfrage gab es (bis jetzt) noch nicht. Also wird man viele, viele Fragen brauchen - bestimmt dreistellig.
Zu sehr darf man den Benutzer nicht überfrachten, aber eine halbe Stunde sollte er sich schon opfern.
Übrigens: Nicht nur Benutzer von WebsiteBaker sind interessant für eine Umfrage, ebenso auch "Abspringer". Hat man bis jetzt keine stichhaltigen Argumente gefunden bis auf "Mir gefällt WebsiteBaker, doch jetzt nehm ich Drupal / Typo3".
Zudem: Es ist ja kein Geheimnis, dass evtl. das kommende Jahrzehnt angedacht wird, eine neue WebsiteBaker Major-Version aus dem Schrank zu lassen. Mit Umfragewerten hat man zumindest etwas in der Hand, dass man hier und da falsch liegen könnte.
Ist die Umfrage abgeschlossen, sollte man genügend Ergebnisse haben (für WebsiteBaker mehr als 100), wo man etwas anfangen kann damit. Nur... Was? In der Auswertung liegt die - vielleicht größte - Problematik. Denn die tollste Umfrage bringt ja nichts, wenn man sie nicht detailliert auswertet, und auch Schlüsse daraus zieht. Auf jeden Fall besser, als auf die drei einschlägig bekannten Forentrolle zu hören.
Den brauchen wir noch nicht. Natürlich habe ich das nicht ohne Grund geschrieben, aber man darf gespannt sein, was die nächsten Wochen oder Monate kommt.
08.04.2010
Michael Tenschert
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