Meine Werke
Hier findet man ein bißchen von dem, was ich so schreibe.
Obwohl ihr etwas schwindlig war, erst jetzt merkte sie die Folgen des Absynths, sie hatte unglaublichen Durst. Sie zündete sich erst die Kippe an, die ihr Mark aus seiner Schachtel geschenkt hatte, rauchte sie auf dem Weg fertig und sprang danach ohne lange zu überlegen in den Brunnen vor dem geschlossenen Supermarkt, heute war ja Sonntag. Es war ihr egal, was man in der Schule gesagt hatte über Hygiene, dass man diese Wasser nicht trinken sollte, es war genauso klar und schmeckte genauso gut wie das aus dem Wasserhahn. Rina war ganz hitzig. Die paar Leute, die sich auf dem Platz ohne Bäume, Spielmöglichkeiten und Grün aufhielten, dessen Mitte der eben genannte Brunnen mit Rina darstellte, um eine „schöne Verweilzone“ der Bevölkerung der Wohnblocks zu bieten, wie die Stadtverwaltung vor ein paar Monaten zur Einweihung sagte, sahen Rina lachend oder zornig an. Ein alter Mann schrie vor Zorn: „Kind! Raus! Sofort! Eine Unverschämtheit! Ich habe den Brunnen gezahlt, du verschandelst ihn. Früher…“ - - - „Ist das Neid, Angst oder Selbsthass?“ fragte ihn eine Frau Anfang dreißig freundlich. Ein kleiner Junge, kaum zwei Jahre alt, der Sohn der Frau, kam zu Rina in den Brunnen. Der alte Mann erstarrte. Ein Obdachloser vor der verschlossenen Supermarkttüre verstaute lächelnd seine leeren Bierflaschen in einer Plastiktüte, die als sie voll war, umfiel und begleitet von einem ohrenbetäubenden Lärm, gefolgt von einem fast unheimlich wirkenden Hall, erzeugt durch die dicht sich an den tristen Platz drängenden Wohnblocks, rollten mit einem noch unheimlicheren Geräusch die Glasflaschen über den Platz auf Rina und den kleinen Jungen zu. Der Obdachlose weinte gekrümmt die Hände vor dem Kopf in die Stille hinein, Rina redete leise mit dem kleinen Jungen, der nur ab und zu einen über den Platz vernehmbaren Kiekser von sich gab. Die Spannung auf der schönen Verweilzone war dem Zerbersten nahe, mehrere Personen erschienen sensationsgeil auf den Zweiquadratmeter Balkonen um den Platz. Sie waren das Publikum, Rina und der kleine Junge das Streitobjekt, die Mutter und der alte Mann die Gladiatoren, der Obdachlose der Unbeteiligte. Rina zeigte gerade dem Jungen einen Hebel, wenn man diesen betätigte, spritzte es wunderbar in der Gegend herum. Der Knirps musste dies natürlich sofort ausprobieren, und versah den versteinerten, alten Mann bei gut 30 Grad und Sonne mit einigen Wasserspritzern, welcher daraufhin sofort aus seiner Starre erwachte. „Du Negerkind! Wenn ich dich kriege, ich zerhack dich in Stücke!“ Die Stimme war nicht zu ertragen, da sich außer Rina und dem farbigen Kind niemand bewegte, geschweige denn ein Geräusch von sich gab. Die Mutter des Kindes zitterte, vor Wut. „Sie waren wohl nie jung? Wo kommen wir denn hin? Keine Kinder mehr, kein Volk mehr! Und Kinder muss man eben Kinder sein lassen!“ „NEIN! Zucht und Ordnung, wir mussten gehorchen. Neger gab…“ „Hören sie auf! Das muss ich mir nicht bieten lassen! Jeder Mensch ist gleich, ob gelb, grün oder blau!“ „Ich bin alt, ich habe 60 Jahre gearbeitet, ich will meine Ruhe. Aus, basta. Das Kind kommt weg.“ „Jetzt erst recht nicht.“ „Dann rufe ich die Polizei.“ „Tun sie es doch. NEIN!!!!!“ Der Obdachlose schritt von hinten leise an Mann heran und zog ihm eine leere Bierflasche über den Kopf. „Nix wert. So Leute besser tot als lebendig.“ Ein zahnloses Lächeln war auf die junge Frau gerichtet, als plötzlich diese verschwand. „Warum? Warum? Warum?“ hauchte der Obdachlose und zeigte daraufhin mit seiner von den Glasscherben blutigen Hand auf die Polizisten, die zwischen den Häusern hervorkamen. Der Obdachlose lief rückwärts zu seiner Plastiktasche, nahm diese und verschwand schnellstmöglich in den Häuserschluchten. Rina kitzelte den Jungen und dieser schrie vor Freude. Rina lachte mit, als sie plötzlich verstummte und bemerkte, was rings um sie geschah. Sie stand aus ihrer Hocke, in der sie die ganze Zeit saß, auf und stellte sich demonstrativ vor den Brunnen zur Frau hin, welche etwa 20 Meter entfernt stand. Der alte Mann lag immer noch regungslos am Boden, das Publikum starrte gebannt auf Katharina, welcher sich die acht Polizisten näherten. Rina hörte bedrohlich die Schritte immer näher kommen, mitten am Platz stand sie, unschlüssig, was eigentlich los war. Sie fühlte sich doch so glücklich! Und jetzt so etwas… „Hallo! Du weißt, dass es verboten ist, im Brunnen zu baden oder? Auch wenn es so heiß ist.“ Katharina drehte sich zu dem freundlichen Polizisten um. „Hallo. Ehrlich gesagt wusste ich das nicht. Ich war so froh, und es war mir so heiß, da konnte ich einfach nicht anders. Und dann war da noch der süße, kleine Junge. Haben sie ihn gesehen?“ „Ja, aber komm, geh jetzt am Besten weiter. Einen schönen Tag noch.“ - „Warum sind sie eigentlich hier?“ - „Wir wurden gerufen von den Anwohnern, sie fanden dies als Ruhestörung. Jetzt müssen wir uns um die Attacke auf den Mann kümmern, wir brauchen dich jetzt aber nicht als Zeugen, komm, geh bitte heim.“ Rina ging in Richtung ihres Zuhauses, als sie lautstark eine Polizistin hörte: „Sie kommen mit! Sofort!!! Keine Widerrede!“ – „Ich habe nichts verbrochen, ich habe heute noch etwas anderes vor, ich komme nicht mit. Schönen Tag noch!“ sagte die vielleicht dreißigjährige, hellblonde Mutter ärgerlich zur Polizistin und ging zu dem Brunnen, um ihr Kind mitzunehmen. Die Polizisten gingen ihr aber nach. Rina blieb stehen, drehte sich um sah ganz verblüfft dem nun folgendem Schauspiel zu, während sie langsam sich der Bühne näherte. Die Mutter tat so, als würde sie nichts bemerken, nahm ihr Kind auf dem Arm, sagte etwas unverständliches zu ihm und ging schnell weg. „Halt!“ Die Polizistin rannte ihr nach und packte sie. „Verdammt nochmal, ist das so schwer! Das war Ruhestörung, und jetzt auch noch Widersetzen gegen die Staatsgewalt! Mehrere Anwohner haben uns verzweifelt angerufen, und jetzt liegt ja schließlich auch noch ein älterer Herr am Boden, der Krankenwagen wird bald erscheinen. Das muss geklärt werden! Sie kommen jetzt mit!“ Die Frau schien verzweifelt, ihr Kind schrie. Sie versuchte, es zu beruhigen, ergebnislos. Zwei Polizisten nahmen die Frau an den Oberarmen, und führten sie weg von dem Platz, die Frau widersetzte sich nicht. Rina schon, sie war außer sich und brüllte über den Platz, dass es als Hall wieder von den Wohnblocks mit den sensationsgeilen Augen zurückkam: „Warum? Warum? Was habe ich gemacht? Ihr da oben! Schweine seid ihr! Schweine, nichts anderes! Kein Recht zu leben habt ihr! Schämt euch, wenn ihr wisst, was das ist.“ Gelächter und ein Schmerz in beiden Armen folgten daraufhin. Rina wurde auch mit abgeführt. Als sie in dem Wagen saß, sagte der vorher freundliche Polizist, der neben Katharina auf der Rückbank saß, leise zu ihr: „Eigentlich hattest du Recht. Aber wir können doch auch nichts ändern, wir müssen unsere Pflicht machen, so Leid es mir tut.“ Auf der Polizeiwache angelangt, musste Rina ihren Schülerausweis vorzeigen, während die Frau mit dem Kind auf dem Arm, an ihr vorbeiging, sie „Auf Wiedersehen“ sagte und nach Hause ging. Erst jetzt bemerkte Rina, dass sie zu der Frau kein einziges Wort gesagt hatte… Komisch. „So, das wäre es gewesen. Soll wir dich heimbringen?“ Besser nicht, meine Eltern, sie wissen schon. Kommt jetzt noch etwas?“ – „Nein, aber die Bürokratie verlangt, dass wir deine Adresse haben. Naja, lächerlich ist das schon, aber was will man machen. Also, dann darfst du gehen. Tschüss!“ – „Tschüss.“ Rina machte sich sofort auf den Nachhauseweg, wo es keinen Zwischenfall mehr gab. Was war denn das für ein bizarrer Tag heute? So toll angefangen, so unglaublich aufgehört. Wird das jetzt immer so weitergehen?
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